Mittwoch, 11. November 2015

Wildkatzen breiten sich aus, eine positive Nachricht aus der Natur




Wildkatzen-keine Stubentiger
Wildkatzen gehören mit zu den seltensten Säugetieren in unserer Natur und sind deshalb  streng geschützt. Man schätzt den Bestand deutschlandweit auf 5000-7000 Tiere. Bekannt sind Vorkommen im Bayerischen Wald, Spessart, Rhön, Thüringer Wald und im Harz. Etwas stärkere Vorkommen gibt es im nördlichen Saarland, im Naturpark Saar-Hunsrück und in Rheinland-Pfalz.

Die Wildkatze ist etwas größer und kräftiger als unsere Hauskatzen, die übrigens nicht von unserer Wildkatze abstammen, sondern von den Römer eingeführt wurden und Nachfahre der asiatischen Falbkatzen sind. Unsere Wildkatze ist ein ureuropäisches Wildtier und lebt seit einigen hunderttausend Jahren in unseren Wäldern. Besonders starke männliche Tiere können bis zu 8 kg schwer  werden, meist jedoch 5-6 kg, die Weibchen sind mit etwa 4 kg deutlich leichter. Das Gewicht schwankt allerdings sehr stark, je nach Alter des Tieres und der Jahreszeit.
Wildkatzen haben ein graues bis ockerfarbiges Fell mit einer verwaschen wirkenden Tigerzeichnung und oft mit hellem Kehlfleck. 
 
Hauskatze, erkennbar an der Fellfärbung
Bei gleichfarbigen Hauskatzen wirkt die Zeichnung intensiver. Wildkatzen haben eine helle, rosafarbige Nasenspitze, Hauskatzen meist eine dunkelfarbige. Der Schwanz der Wildkatze ist sehr buschig mit deutlich schwarzen Ringen und einer schwarzen Schwanzspitze.
Zudem sind Wildkatzen sehr selten, menschenscheu und daher kaum in der freien Natur zu beobachten. Die meisten, im Wald anzutreffenden Katzen sind daher Hauskatzen oder verwilderte Hauskatzen. In Gebieten, in denen Wildkatzen und verwilderte Hauskatzen gleichzeitig auftreten, kann es auch zu Verpaarung der beiden Arten kommen, allerdings recht selten. Diese Mischlinge sind von reinen Wildkatzen nicht zu unterscheiden.


Wildkatzen bevorzugen große, naturbelassene störungsarme Waldgebiete mit Lichtungen, Waldwiesen und Totholz mit Versteckmöglichkeiten und Höhlen für die Jungenaufzucht. Sie leben als Einzelgänger und stellt nachts und in der Dämmerung ihrer Beute nach, vor allem Mäuse aber auch Kaninchen, junge Hasen, Kleinvögel, Eidechsen und Insekten werden nicht verschmäht. Besonders gut ausgebildete Sinnesorgane, vor allem Augen und Gehör zeichnen die Wildkatze aus.
Die männlichen Wildkatzen, Kuder, haben mit bis zu 4000 ha deutlich größere Reviere als die Wildkatzen. Die Paarungszeit der Wildkatzen liegt zwischen Februar und März, kann sich aber bis in den Sommer erstrecken. Ihre Jungen, in der Regel 2-4, bringt die Wildkatze dann in alten Fuchs- oder Dachsbauen oder anderen Höhlen in Bäumen oder Felsen zur Welt. Im Alter von 5 Monaten sind die Jungen schon recht selbständig und suchen sich später eigene Streifgebiete.
Die Spur der Wildkatze ist rundlich und zeigt vier Zehen, Krallen kann man in der Spur nicht entdecken.
In der freien Natur kann eine Wildkatze bis zu 10 Jahren alt werden, in Gehegehaltung rund 15 Jahre alt.
Jungtiere ohne Aufsicht der Eltern müssen sich vor Fuchs, Marder, größeren Eulen und Greifvögeln in acht nehmen.
Ausgewachsene Wildkatzen können unter Umständen zur Beute von Wolf, Luchs und Uhu werden, allerdings sehr selten. Gefährlichster Feind der Wildkatzen ist, wie bei vielen anderen Tieren auch, der Straßenverkehr.
Hauptproblem für die Wildkatze ist der Verlust an geeigneten Lebensräumen. Deshalb ist der Erhalt und die Vernetzung dieser Gebiete, der Schutz vor Störungen und der sensible Umgang bei Bauprojekten in Wildkatzenbiotopen der beste Schutz für den seltenen Minitiger in unseren Wäldern. 
Mich freut es sehr, dass die Bestände der Wildkatze langsam wieder zunehmen, während die kleine Waldmaus meine Begeisterung wohl nicht teilen wird.


Im Wild- und Wanderpark Weiskirchen, im Naturpark Saar-Hunsrück, kann man auf einem eigenen Wildkatzen Erlebnispfad sehr viel Interessantes über diese faszinierenden Tiere erfahren.