Freitag, 25. September 2015

Bienen-Grundlage unserer pflanzlichen Nahrungsmittel




Die Bestäubungsleistung der Bienen ist der Motor unseres Lebens. So gesehen sind die Bienen die besten Freunde des Menschen, aber Freunde, die in Not sind.


Alle blüten- und samenbildenden Pflanzen brauchen zu ihrer Vermehrung die Bestäubung. Dabei sind die Pflanzen auf bestäubende Insekten angewiesen, in einem Millionenjahre alten Entwicklungsprozess hat hier die Natur ein perfektes System geschaffen. Die Pflanzen bieten den Insekten Nektar und Pollen als Nahrung an, im Gegenzug nehmen die Insekten Blütenpollen auf, der an ihrem in der Regel behaarten Körper hängenbleibt und verteilen in so von Blüte zu Blüte und befruchten die Blüten. Die Grundlage der Vermehrung und der Bildung von Früchten. Um Insekten anzulocken nutzen die Pflanzen bunte, auffallende Blüten und weitreichende Duftstoffe. Die Nektarquellen sind so geschickt angeordnet, dass die Insekten tief und die Blütenkelche einsteigen müssen und so möglichst viel Blütenpollen aufnehmen. In rund 100 Millionen Jahren wurde dieses System perfektioniert und wird von vielen Pflanzen genutzt.



Die Bestäubung der Blüten durch Insekten hat für unser Ökosystem eine existenzielle Bedeutung. Rund 80% der Wildpflanzen und etwa 150 verschiedene Nutzpflanzenarten sind von der Bestäubung durch Insekten angewiesen. Die wirtschaftliche Leistung der Bienen wird in Europa auf jährlich rd. 15 Mrd. Euro geschätzt. Allerdings ein theoretischer Wert, denn es gibt keine Alternative zur Insektenbestäubung, kein technisches Verfahren ist in der Lage diese Aufgabe zu übernehmen.


Bienen in Gefahr
In einem Zitat, das man Albert Einstein zuschreibt wird die Bedeutung der Bienen treffend formuliert, stirbt die Biene ist 4 Jahre später der Mensch tot, weil nichts mehr zu essen hat. Allerdings sollten wir bedenken, als Albert Einstein diese Aussage traf, gab es auf der Erde etwa 2 Mrd. Menschen, mittlerweile sind es über 7 Mrd. Menschen, was würde Albert Einstein heute wohl sagen?
Besorgniserregend in diesem Zusammenhang ist der permanente Rückgang der Bienenarten, sowohl im Bereich der Honigbienen, als auch bei den Wildbienen.
So hat sich der Bestand der Honigbienen seit 1950 etwa um ein Drittel reduziert.  Gab es 1950 noch rund 2 Millionen Bienenvölker in Deutschland sind es derzeit noch etwa 750.000 und dies betrifft nicht nur Deutschland sondern kann in ganz Europa und in den USA ähnlich beobachtet werden.

Pestizide

Pestizide, Pflanzengifte sind die größte Gefahr für unsere Bienen. Pestizide sind Giftstoffe, die wir einsetzen um unsere Nutzpflanzen vor schädlichen Insekten und Pflanzen zu schützen. Insektizide hingegen beinhalten nur Wirkstoffe gegen Schadinsekten. Nur machen diese Mittel keinen Unterschied zwischen den Insektenarten und sind in den meisten Fällen für unsere Bienen genauso gefährlich wie für die Insekten, die sie bekämpfen sollen. Wobei der Begriff Schädling im Grunde genommen falsch ist. Jedes Insekt hat genauso wie jedes Lebewesen in der Natur seine Bedeutung und seine Aufgabe.


Unsere sogenannten Schädlinge haben in der Natur die Aufgabe Monokulturen zu verhindern und für eine Artenvielfalt zu sorgen. Ein Rapsfeld in landwirtschaftlicher Größenordnung würde es in der freien Natur nie geben, bestimmte Tiere würden dafür sorgen, dass diese Pflanzen sich nicht unbegrenzt vermehren und so die gewünschte Artenvielfalt zerstören können. Bei unseren landwirtschaftlichen Nutzflächen ist das natürlich anders, mal will kostengünstig produzieren und das geht nur mit entsprechenden Flächengrößen. Die Natur wehrt sich dagegen, in dem sich bestimmte Insekten vermehren und diese Monokulturen beseitigen wollen. Wir wehren uns dagegen mit Giften, die aber leider nicht nur die sogenannten Schädlinge vernichten sondern auch wichtige Tiere, wie z.B. unsere Bienen. Ein Teufelskreis, der aber nicht nur in der Landwirtschaft sondern auch in vielen Gärten seine unheilvollen Runden dreht. Dieses Problem ist schon sehr lange bekannt, aber jetzt trifft es ein Tier, das für uns von existenzieller Bedeutung ist und langsam schrillen nun die Alarmglocken, aber immer noch viel zu leise.

Lebensraumverlust



Hauptursache ist der Verlust an geeigneten Futterpflanzen für die Bienen, Monokulturen in der Landwirtschaft, Flächennutzung durch Industrie und Straßenbau, der Rückgang an nektar- und pollenreichen Obstbäumen und Beerensträuchern, artenreichen Wildwiesen. Selbst unsere Gärten haben sich gewandelt. Früher dienten die Gärten der Selbstversorgung mit Obst und Gemüse entsprechend war die Bepflanzung. Obstbäume, Beerensträucher, verschiedene Küchenkräuter, Karotten und andere Gemüsearten. Viele Arten die blühten und reich an Nektar und Pollen waren, ein Paradies für Bienen, Wildbienen, Schmetterlinge und andere bestäubende Insekten. Heute gibt es viele Ziergärten mit Kiesflächen, englischen Rasen und exotischen Pflanzen, die vielleicht noch blühen, aber keine Nahrung für unsere Nutzinsekten bereitstellen. Entscheidet sich dann ein Hausbesitzer dazu einen artenreichen Nutzgarten oder ein Wildwiese anzulegen, liegt er im Streit mit seinen Nachbarn, die ein Unkrautparadies befürchten. Mittlerweile müssen sich in Deutschland Gerichte mit diesem Thema befassen.  

Parasiten

Traurige Berühmtheit hat die Varroa-Milbe erlangt, sie gilt als die größte Bedrohung für unsere Bienenvölker. Die Milbe hat sich Bienenvölker spezialisiert. Die weibliche Milbe gelangt als blinder Passagier in die Brutkammern der Bienen und legt dort ihre Eier ab. Die schlüpfenden Milbenlarven saugen die Bienenlarven an und schwächen diese erheblich. Die sich dann entwickelnden Bienen sind deutlich schwächer, haben eine kürzere Lebensdauern, eine schlechtere Lernleistung und dadurch Orientierungsprobleme und finden oft ihren Bienenstock nicht mehr. Zudem können die Milben Viren übertragen, die weitere Folgekrankheiten auslösen. Über kurz oder lang bricht so der gesamte Bienenstaat zusammen.  Für die Bekämpfung der Milben stehen chemische Mittel zur Verfügung, auch der Einsatz von Ameisensäure ist oft hilfreich. Die Varroamilbe stammt ursprünglich  aus Ostasien und wurde in Europa erstmals 1967 in Bulgarien nachgewiesen in Deutschland bereitet sie seit 1977 Probleme. Parasiten,  Verlust an Futterpflanzen, Vergiftung durch Pflanzenschutzmittel und letztlich noch die zunehmenden klimatischen Extreme heben zu einer besonders kritischen Situation geführt, die nicht nur die Honigbienen sondern auch die Wildbienen, Schmetterlinge und andere bestäubende Insekten trifft.

Klimawandel

Die klimatischen Veränderungen, die sich in vielen Lebensbereichen bemerkbar machen, zeigen auch bei den Bienen Folgen. Witterungsextreme können dazu führen, dass Bienen temperaturbedingt nicht ausfliegen, Pollen und Nektar nicht in ausreichendem Maße zur Verfügung stehen. Unsere Bienen werden zurzeit von verschiedenen Richtungen massiv bedroht.
Wären diese Tiere eine  Bank, würden unsere Politiker sagen, es handelt sich um eine systemrelevante Bank, die müssen wir um jeden Preis schützen.
Ähnlich ist es mit den Bienen und den anderen bestäubenden Insekten, sie sind eine systemrelevante Tierart, um sie sollten wir uns auf jeden Fall kümmern, gehen die Bienen zurück, kollabiert unser ganzes Ökosystem, einschließlich unserer Nahrungsketten.


Wie können wir Bienen helfen?

Honigbienen sind für unser Ökosystem überlebenswichtig aber leider  stark bedroht und dann stellt sich natürlich die Frage, wie kann man Bienen wirksam schützen. Es ist natürlich einfach hier auf die Politik zu verweisen, die mit geeigneten Gesetzen den Bienenschutz umsetzen soll. Dies ist natürlich richtig, aber man sollte auch überlegen, was kann ich den selbst für den Schutz der Bienen machen?

Imker werden?


 

Eine Möglichkeit effektiv Bienenschutz zu betreiben besteht darin, selbst Imker zu werden und sich Bienen zu halten. Dieser Schritt sollte aber wohl überlegt werden. Mittlerweile wird ja in vielen Medien darüber berichtet, wie einfach es ist sich Bienen zu halten, dies trifft aber nicht zu. Bienenhaltung erfordert wie jede Tierhaltung ein hohes Maß an Verantwortung, entsprechendes Fachwissen, Erfahrung und auch entsprechende zeitliche Möglichkeiten. Es ist nicht damit getan, sich einfach eine Kiste in den Garten zu stellen, ein Bienenvolk hineinzusetzen und dann nur noch den Honig zu ernten.
Bienen gelten nicht als Haustiere, was zu besonderen Bedingungen in der Haftpflicht führt. Anders als bei Haustieren haftet einen Bienenhalter auch für Schäden, die seine Bienen trotz größter Sorgfalt verursacht haben, deshalb sind spezielle Haftpflichtversicherungen für Bienenhalter unabdingbar.
Für das Aufstellen von Bienenkästen gelten besondere Rechtsvorschriften, vor allem in Wohngebiete, zudem muss die Bienenhaltung bei den Veterinärbehörden angemeldet werden. Bestimmte Bienenkrankheiten sind meldepflichtig, das bedingt natürlich, dass man die Krankheitssymptome erkennt und seine Bienen regelmäßig daraufhin kontrolliert. Sie sehen die Bienenhaltung ist nicht so einfach wie oft dargestellt, deshalb sollten Sie sich bei Interesse am besten mit einem ortsnahen Imkerverein in Verbindung setzen. Diese Vereine bieten ein umfassendes Beratungsangebot, entsprechende Schulungen für Jungimker und sind Ihnen auch bei der Beschaffung geeigneter Bienenvölker und Materialien zur Haltung der Bienen behilflich. Manche Vereine stellen Ihnen Imkerpaten zur Verfügung, die Ihnen in der ersten Zeit mit Rat und Tat zur Verfügung stehen. Ein Blick ins Internet oder in die Gelben Seiten zeigt Ihnen die Ansprechpartner in Ihrer Region. Imkerei ist mit Sicherheit eine sehr wichtige Naturschutzmaßnahme und wird in Zukunft noch an Bedeutung zulegen.

Bienengerechte Gartengestaltung

Dazu braucht man keine riesigen Flächen, selbst einige Quadratmeter oder die Blumenkästen auf dem Balkon bieten Möglichkeiten. Insgesamt beträgt die Gartenfläche in Deutschland etwa 7000 km², hinzu kommen etwa 3300 km² Friedhofsfläche. Auf diesen Flächen bieten sich viele Möglichkeiten dekorativ und dennoch bienenfreundlich zu pflanzen. Wählen Sie einheimische Blütenpflanzen aus, die pollen- und nektarreich sind. Die Bepflanzung sollte so gestaltet sein, dass über einen möglichst langen Zeitraum Blühpflanzen zur Verfügung stehen. Beerensträucher wie z.B. Himbeeren, Brombeeren bieten neben leckeren Früchten viel Pollen und Nektar für Bienen.



Die Blüten der Obstbäume wie Kirschenbäume und Apfelbäume sind reiche Nektar- und Pollenquellen. Wenn Sie nicht genügend Platz zur Verfügung haben, können Sie mittlerweile auf Säulenobstbäume zurückgreifen. Diese Bäume können sogar in Kübeln auf dem Balkon gepflanzt werden. Sie haben dann nicht nur eigenes Obst sondern sie helfen auch den Bienen auf ihrer täglichen Futtersuche. Viele Küchenkräuter wie Koreander, bietet reichlich Pollen und Nektar, währen andere Küchenkräuter wie Borretsch, Oregano, Rosmarin und Salbei reichlich Pollen zur Verfügung stellen, bei den Nektargaben aber sparsamer zugange sind.

Der bekannte und im Garten beliebte Lavendel stellt viel Nektar aber wenig Pollen zur Verfügung, Sonnenblumen, Löwenzahn und Klee sind wahren Bienenfreunde mit einem reich gedeckten Tisch an Nektar und Pollen.


Im Handel gibt es fertige Pflanzenmischungen, die eine gute Auswahl an pollen- und nektarreichen Pflanzen anbieten und die auch unter dem Gesichtspunkt einer möglichst langen Blühphase zusammengestellt sind. Dazu braucht man übrigens keine riesigen Flächen, bereits mit einigen Quadratmetern im Garten kann man sich ein Bienenparadies schaffen.
Gleiches gilt natürlich bei der Bepflanzung von Blumenkästen auf dem Balkon oder auf der Fensterbank.
Selbst bei der Grabbepflanzung kann man mit geeigneten Pflanzen diese Flächen als Bienenweide beleben und einen wichtigen Beitrag zum Natur- und Umweltschutz leisten.

Verzicht auf Pestizide

Pflanzenschutzmittel enthalten sehr oft Wirkstoffe die nicht nur die sogenannten Schadinsekten treffen sondern auch für unsere Bienen und andere Nutzinsekten sehr schädlich sind. Am besten verzichtet man grundsätzlich auf den Einsatz dieser Mittel und versucht durch die Förderung von Nützlingen wie z.B. Marienkäfer, Florfliegen und anderen Insekten Schädlinge zu bekämpfen.

Ist der Einsatz von Schädlingsbekämpfungsmittel nicht abwendbar, sollte man auf jeden Fall auf die Bienenverträglichkeit  dieser Mittel achten, im Zweifelsfall sich fachlichen Rat einholen, z.B. in den örtlichen Obst- und Gartenbauvereinen oder auch bei Imkern. Durch eine bienengerechte Gartengestaltung und den Verzicht von bienenschädlichen Insektenbekämpfungsmitteln helfen Sie nicht nur den Honigbienen  sondern auch den Wildbienen.

Honigbienen, Wildbienen und andere bestäubende Insekten wie Schwebfliegen, Schmetterlinge und Käfer sind aus meiner Sicht die wichtigsten Tiere auf der Erde. Mit ihnen steht oder fällt unser Ökosystem, deshalb sollten wir alle Möglichkeiten nutzen ihnen zu helfen. Geeignete Gartenbepflanzung und Nisthilfen sind einfache, aber sehr wirkungsvolle Maßnahmen.

In den nächsten Artikeln stelle ich Ihnen Nahrungsmittel vor, die uns der Wald anbietet.